Einkaufen im Lockdown


Ich erzähle euch jetzt eine Geschichte von Max Selbstbestimmt. Er hat sich im Lockdown befunden für ganze 10 Wochen. Ganz ehrlich? Max hat sich nicht daran gehalten. Er ist sozusagen ein Krimineller. Einer, der sich nicht sagen lässt, dass er nur daheim hocken soll – für 10 Wochen – und nur zum Einkaufen im Lebensmittelhandel oder um frische Luft zu schnappen, das Haus verlassen darf. Er ist einer von denen, die weiter in jeden Shop gehen, egal ob 2G oder nicht. Er kauft ein und bezahlt. Er trägt keine Maske, denn er sieht es als Symbol, das Maul zu halten. Als Foltermethode, um Menschen zu unterdrücken.

Da macht er nicht mit. Und als der Tag kommt, an dem es verschärfte Kontrollen gibt, will er es nicht glauben und geht wieder in den Laden…

Lösungsversuche wie man im Lockdown – beim Kontrollmodus asiatischer Vorbilder – Einkaufen gehen könnte:

Geschichte 1: Papier- und Modegeschäfte haben Kontrolleure statt Verkäufer:
Ich wurde heute vom Papierfachgeschäft 1, Modegeschäft 1 und Papierfachgeschäft 2 verwiesen. Ich hatte jeweils etwas zur Kassa gebracht und durfte nicht einkaufen, weil ich keinen Nachweis vorzeigte.
Modegeschäft 2 hat mich Einkaufen lassen. Das ist mir gelungen, weil ich gerade mit einem Freund telefonierte als die Verkäuferin auf mich zukam, um meinen Status abzufragen. Ich blickte kurz auf und hatte sie klar und bestimmt darauf aufmerksam gemacht, dass ich telefoniere und danach gerne mit ihr spreche. Ich wurde dann an der Kassa nicht mehr nach meinem Nachweis gefragt…warum auch immer.
Die Verkäuferin vom Papierfachgeschäft 2 hat sogar zu weinen begonnen, als ich nicht gleich locker ließ. Sie kennt die Gesetze und versteht mich, doch will sie ihren Job nicht verlieren. Sie ist fertig und wird wohl in Stand gehen, denn das drückt sie nicht länger durch. Sie ist auch ungeimpft und muss mir jetzt sagen, dass ich nicht Einkaufen darf. Ich verlasse das Geschäft und bin erschüttert über die Situation, in die wir nun geraten sind.

Geschichte 2: Wer geht mit mir morgen Einkaufen?
„Wer geht mit mir morgen Einkaufen?!“, die Frage schwirrt in eine Gruppe der digitalen Medien. Die traurigen Erfahrungen lassen Max Selbstbestimmt den Ärger hochkochen. Das kann es ja nicht sein, dass die Geschäfte alle die Vorgaben durchziehen. Die eigenen Kunden vergrämen. Gegen das eigene Geschäft arbeiten und Kunden ausschließen. Mit dem Deckmantel, dass man ja Andere schützen muss. Dass das in den Köpfen mancher Menschen eingebrannt ist, kann er nicht verstehen. Er möchte Aufklärungsarbeit leisten und ist voller Tatendrang.

„Blimblim!“, erste Antwort und die nächste noch dazu. Vier Leute treffen sich am nächsten Tag ganz früh, um sich auf den Weg zu machen. Ein paar Läden werden sie aufsuchen und sie beraten, aufklären und auf die Reaktionen achten. Nach einer Vorbesprechung zu Hause bei Kaffee und Tee geht es bepackt mit Infozetteln – darauf stehen Gesetzestexte und Verweise bezüglich der Unverhältnismäßigkeiten – machen sich die vier auf den Weg. Die Konstellation besteht aus drei Männern und einer Frau. Jeder motiviert und überzeugt.

Im Elektroshop, die erste Erkenntnis. Vier Personen ohne Maske werden als Überfall interpretiert und setzen die Belegschaft im Shop dermaßen unter Druck, dass Phrasen wie „Masken aufi!“, „Seit´s ihr olle Verschwörungstheoretiker?“, „I hoil sofort den Chef!“, „Wo kummt´s ihr den her?“ fallen. Auf die Frage ob sie nun eine Druckerpatrone in Farbe für meinen Drucker haben, bekomme ich ein: „Klar, wenn Sie eine Maske aufsetzen und den 2G-Nachweis vorweisen!“ Nachdem ich beides nicht gewillt bin zu tun, zischt der Mitarbeiter ab und kommt für die Dauer unseres versuchten Einkaufs nicht wieder. Ich nehme zwei Packungen Batterien in verschiedenen Größen und stehe plötzlich vor dem nächsten Verkäufer, der sichtlich erhöhten Puls und Schnappatmung hat und gerade dabei ist, uns zu sagen: „Raus mit euch!“ Dem wird von den Dreien Folge geleistet. Man will hier nicht alles auf die Spitze treiben und der Verkäufer ist schon genug belastet, wie es scheint. Während ich in Richtung Ausgang gehe sage ich, die beiden Packungen Batterien wedelnd:“Darf ich die jetzt kaufen oder nicht?“ „Klar dürfen Sie die kaufen! Das habe ich ihren Kollegen auch schon erklärt. Ich kenne die Vorgaben und wenn Sie etwas brauchen, was für den täglichen Bedarf ist, darf ich es Ihnen verkaufen.“ Der Herr nimmt zitternd die beiden Päckchen in die Hand, geht zur Kassa und beginnt sie einzuscannen. „Ich verstehe Sie, dass Sie in einer unangenehmen Situation sind. Ich hoffe, Sie verstehen auch, dass wir uns ebenfalls in einer unangehmen Lage befinden.“, sage ich zu ihm. „Ja, ja, aber Sie kommen da alle rein und der Kollege wollte Lautsprecher für sein Handy haben. Das darf ich ihm nicht verkaufen! Sie bekommen für das eine Packerl ein zweites gratis dazu. Moment ich hole es Ihnen.“ Ich bedanke mich, zahle und verabschiede mich, bevor ich den Shop verlasse. Draußen treffe ich meine Aufklärungskollegen zur kurzen Nachbesprechung am Vorplatz. Was ist da gerade passiert? Wir sind zu viele gewesen? Einer von uns wurde wegen der Aussage „Verschwörungstheoretiker“ ausfällig. Das ist eskalierend und nicht das,was wir erreichen wollten. Ich konnte am Ende noch ein wenig Ruhe reinbringen und durfte sogar etwas kaufen, doch das machen wir beim nächsten Shop besser. Maximal zwei Personen mit Maske und der Rest trägt eine oder geht nicht rein.

Im Schuhgeschäft gibt es keine Chance. Wir diskutieren und klären auf. Wir bitten, die Info an die Geschäftsleitung weiterzugeben und lassen das Blatt Papier mit Gesetzestext und Infos bei der Verkäuferin. Sie darf uns nicht bedienen, es gilt die 2G-Regel.

Da kommen wir zu einem Kleidungsshop für Kids. Da gehen wir rein und treffen eine Dame mit kleinem Hund. Es fällt auf, dass das Lokal nicht vollständig bestückt ist. Als wäre alles im Abverkauf und der Laden wurde schon geplündert. Ein zaghaftes:“Darf ich Ihren 2G-Nachweis sehen?“ Auf die Antwort, dass wir dies nicht haben, möchte sie erst unseren Einkaufswunsch ablehnen, doch als wir ihr erklären, dass wir Güter des täglichen Bedarfs einkaufen möchten zieht sie ihre Maske nach unten, schaut mir tief in die Augen und sagt: „Ihr Kind wächst gerade aus allem raus gell?!“ Ein Grinsen entsteht in ihrem Gesicht und ich sage: „Ja, sie schießt förmlich in die Höhe!“ „Tja, dann kann ich Ihnen diese Socken natürlich verkaufen und Rabatt bekommen Sie natürlich auch!“ Wir unterhalten uns prächtig mit der Inhaberin und sie bedankt sich herzlich für die Aufklärung. Leider musste sie sich ungewollt impfen lassen, die Testerei und das Öffnen des Shops ging sich nicht aus und um hier der Unanehmlichkeit zu entfliehen hat sie sich eben dazu hinreissen lassen. Nicht wegen der Krankheit. Nein…wegen den Maßnahmen. Ein weiteres Mal gehe sie sicher nicht Impfen, das Geschäft läuft sowieso den Bach runter. Wenn es so weitergeht, werde sie wohl bald zusperren müssen. Ein offenes Gespräch reicher und leider auch ein Trauriges, machen wir uns auf den Weg und stellen fest: Es ist schon spät. Einer geht noch alleine weiter Einkaufen. Er hat Freude daran und kommt gerne ins Gespräch mit den Geschäftsleuten. Wir ziehen ein Resume, das uns hoffen lässt und wir reflektieren, dass wir noch Einiges dazu lernen können, wie wir uns in Zeiten wie diesen verhalten können, um Andere nicht zu überfordern und ins Gespräch zu kommen. Denn das hilft sicher, wieder zueindander zu finden. Auch wenn andere wollen, dass es nicht so ist.

Geschichte 3: Hilfsbereite Menschen gibt es noch Teil 1
Mir kommen gerade die Tränen….
Ich hab vor kurzem Dartscheibe und Pfeile gekauft. Bei den Stahlspitzen ist das blöde Kunststoffgewinde ausgebrochen und daher brauche ich neue Spitzen.
Nachdem ich Geld abgehoben habe und gesehen habe, dass eine Frau von einer Wachdienstfirma den Zugang zum Schuhgeschäft kontrolliert…war ich wieder einmal erschüttert…
„Da soll ich jemals wieder Einkaufen gehen?“, dachte ich mir.
Dann steh ich vorm Sportgeschäft und spüre einen Knoten im Bauch.
„Nein, da geh ich jetzt nicht rein!“, kommt es mir hoch.
Ich spreche eine Frau an, ob sie ins Geschäft geht. Sie antwortet: „San Sie leicht ned gimpft?“ Ich antworte:“Ich will nix vorweisen.“ „Also sans doch gimpft?“ „Na, es is nur, i brauch jemanden, der für mi ins Gschäft geht.“ „Do werdns aber ka Glück hobn. I geh ned ins Gschäft.“, die Frau lächelt mich an. Es ist etwas Unverständnis zu erkennen, doch ich glaube sie denkt darüber nach, was gerade passiert. Sie geht und wir verabschieden uns.
Dann kommt eine Nachbarin von mir vorbei und plaudert mit mir. Ich merke, wie mir etwas mulmig wird und dass ich mich ein wenig schäme. Ich beobachte meine Gefühle während wir uns über Darts austauschen. Sie hat die Pfeile in meiner Hand entdeckt und darum ist das unser Gesprächsthema. Ich sage ihr nicht, dass ich nicht rein darf. Es ist mir peinlich, obwohl ich gar nicht weiß ob es ihr vielleicht ebenso geht.
Es gehen Menschen an uns vorbei und ich erwische mich dabei wie ich denke: „Bitte vertschüss dich, da laufen lauter Gelegenheiten vorbei!“
Endlich! Wir verabschieden uns und sie geht weiter.
Ich werfe einen Blick in den Shop und merke, dass ich von drinnen schon beobachtet werde. Sehr gut!
Eine Frau um die 55 kommt mir entgegen. Mit violetter FFP2 Maske sehe ich in zwei warmherzige Augen.
„Entschuldigen Sie bitte. Ich möchte Sie fragen ob Sie ins Geschäft gehen.“ „Ja, warum?“ „Ich brauche neue Stahlspitzen für die Dartpfeile. Die Verkäuferin hat gesagt, die Spitzen werden nicht so leicht kaputt, doch das Gewinde ist ausgebrochen und jetzt sind sie unbrauchbar.“ „Und was brauchen Sie jetzt von mir?“ „Können Sie für mich rein gehen und solche Spitzen kaufen?“ „Warum, gehen Sie nicht selbst?“ „Ich darf nicht.“
Die Frau blickt mich an. Ich kann nicht erkennen, wie sie darauf reagiert. Die Mimik ist verdeckt. „Ok, ich mach das. Nur ich muss Schischuhe anprobieren. Das dauert.“ „Egal, ich warte hier. Warten Sie ich gebe Ihnen Geld mit.“ „Nein, ich kauf Ihnen das mal und dann sag ich Ihnen was es gekostet hat. Wissens was, ich geh gleich zu den Dartpfeilen und dann zu den Schischuhen.“ „Vielen Dank, das ist sehr nett von Ihnen!“ Ich zeige ihr wo sich ca. die Abteilung befindet, in welcher sich die Dartspitzen befinden. Sie geht rein und kommt nach ca. 5 min wieder raus. In der einen Hand den Dartpfeil und die kaputten Spitzen und in der anderen die neuen Eisenspitzen. „Macht 4,99 Euro!“, sagt die Dame freudig und ich bezahle. „Der Herr im Shop hat die Spitzen bei den Pfeilen ausprobiert. Sie passen. Viel Freude beim Dartspielen!“ „Die wird mein Sohn haben. Vielen Dank und einen schönen Tag!“

Geschichte 4: Hilfsbereite Menschen gibt es noch Teil 2
Ich war gerade beim Papiergeschäft wo ich letzte Woche rausgeflogen bin, ohne Einkaufen zu können. Ich habe, wie letzte Woche, alles eingesammelt was ich brauchte und zur Kassa getragen. Da kam ein Mann bei der Tür herein. Ich sprach ihn an. „Entschuldigen Sie. Können Sie mir helfen? Ich möchte Einkaufen, es geht aber nicht.“ Er kommt zu mir und fragt:“Ist das wegen 2G?“ „Ja, genau! Ich möchte einkaufen, doch ohne 2G Nachweis darf ich das nicht.“ „Ok, kann ich gerne machen. Sie müssen verstehen, ich habe seit heute den Genesenenstatus.“, der Herr lacht verlegen. „Ah, dann können Sie meine Lage gut verstehen.“ „Ja, ja, ich verstehe Sie.“ Die Verkäuferin fordert den 2 G Nachweis. Ich gebe dem Herrn einen 50 Euro Schein in die Hand. Er zeigt der Frau das Handy und sie scannt verdutzt ab. Sie fragt: „Haben Sie die JöKarte.“ Ich sage: „Ha! Das läuft ab wie in China.“
Der Herr schaut mich an. „Ja, wie in China. Darf ich den Einkauf auf meine JöKarte?“ „Na, klar!“, sag ich und lächle alle an. Ich bin der einzige in der lustigen Runde dem das möglich ist, da ich keinen Mundschutz trage.
Die Dame legt dem Herrn Rechnung und Rückgeld hin. Er winkt mir beim Gehen und ich nehme mir das Geld und die Rechnung.
Ich packe alles zusammen und höre die Verkäuferin mit ihrer Kollegin reden: „Wie ist das eigentlich wenn wer anderer zahlt? Geht das üerhaupt?“ Ich gehe und höre nur: „Vielen Dank, Auf Wiedersehen.“

Leute, verbündet euch und lernt andere Menschen kennen. Es tut so gut! Und bitte bedenkt: auch die Anderen sind Menschen. Gebt ihnen eine Chance!
Ich wünsche Euch einen schönen friedvollen Tag!

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